Aus dem Gemeinderat: „Kindergartenbedarfsplan 2016“

Stellungnahme des Gemeinderats Rolf Siegel (Grüne) zum Kindergartenbedarfsplan:

„Eine gute Kinderbetreuung und frühe Förderung für alle Kinder gehören zu den wichtigsten Zukunftsaufgaben in Deutschland. Damit junge Menschen ihren Wunsch nach Kindern auch verwirklichen können, sind bedarfsgerechte Betreuungsangebote, gute Qualität und Trägervielfalt zu gewährleisten. Immer mehr Eltern entscheiden sich für Angebote der Kinderbetreuung – meist, weil sie sich eine frühe Förderung für ihr Kind wünschen oder möchten, dass ihr Kind mit anderen Kindern gemeinsam lernt und spielt. Ein breites und hochwertiges Betreuungsangebot für Kinder trägt dazu bei, Kindern dies zu ermöglichen. Zugleich helfen gute, bedarfsgerechte Betreuungsmöglichkeiten Eltern, ihren familiären und beruflichen Anforderungen besser nachkommen zu können. Ohne öffentlich geförderte Kinderbetreuung könnten viele Mütter und Väter nicht arbeiten.Wenn Kinder eine Betreuungseinrichtung besuchen, wird ihre Entwicklung in sprachlicher, motorischer und sozialer Hinsicht gefördert. Dies gilt gerade für Kinder unter drei Jahren. Die Kinderbetreuung gleicht auch Belastungen aus, mit denen viele Eltern im Alltag umgehen müssen. Krippen, Tagesmütter und -väter, Kindergärten, Horte und Ganztagsschulen ermöglichen es jungen Paaren, die Frage ,Kind oder Beruf‘durch die Antwort ,Kind und Beruf‘ zu ersetzen. Das Bereitstellen von Kindergartenplätzen für alle Kinder ab dem 3. Lebensjahr, die Neuschaffung von weiteren Plätzen für die ein- bis dreijährigen und die weitere Annäherung von nachgefragten und angebotenen Öffnungszeiten bedürfen einer sorgfältigen Planung seitens der Gemeinde. Dass es ausreichend Plätze und eine qualitativ hochwertige Betreuung gibt, ist Voraussetzung dafür, dass alle Kinder die gleichen Chancen haben.
Das Gesetz fordert, dass der örtliche Bedarf gedeckt sein muss. Bei etwa 120 Kinder pro Jahrgang sehen wir den maximalen Bedarf bei 445 Kindergartenplätze und bei 330 U3-Plätze. Tatsächlich sind in Oftersheim 451 Kindergartenplätze und 102 U3-Plätze vorhanden.
Die Betriebskostenabrechnung 2015 weist 4,4 Mio. EUR Gesamtkosten aus. Abzüglich der Elternbeiträge von 850 tausend Euro, der Trägerzuschüsse und der Landeszuschüsse von etwa 63% bzw. 68%, verbleibt ein Fehlbetrag von 1,9 Mio. EUR oder 3.770,- EUR pro Kind, den die Gemeinde trägt! Betrachtet man nur den Krippenbereich, so liegt der Fehlbetrag, zum Beispiel im Peter-Gieser-Kindergarten, bei 9.140,- Euro pro Kind.
Durch Veränderungen der Berufswelt verlieren die starren Regelgruppen mit einer Betreuungszeit von montags bis freitags 4 Stunden am Vormittag, immer mehr an Bedeutung. Hingegen steigt die Nachfrage nach Ganztagsbetreuung, verlängerten Öffnungszeiten, einzelnen Wochentagen und halben Tagen früh oder spät. Und hier sehen wir bei den U3-jährigen einen schnell wachsenden Bedarf, den auch die Tageseltern abdecken. Nachgefragt werden Betreuungszeiten von 10-20 Wochenstunden an 2-3 Tagen in der Woche. Die Einrichtungen bieten mit ihren Krippenplätzen nicht diese Flexibilität. Die Mindeststundenzahl beträgt dort 30,5 Wochenstunden und kostet die Eltern mindestens 301,- EUR im Monat. Bei einer Tagesmutter kostet ein Teilzeitplatz für 18 Wochenstunden an drei Tagen in der Woche, die Eltern nur 140,- Euro. Dieser Beitrag steht in einer akzeptablen Relation zum Teilzeitverdienst vieler berufstätiger Mütter.
Und nochmal zur Erinnerung: Ein Krippenkind koste die Gemeinde ca. 9.140 Euro im Jahr abzüglich Landeszuschuss. Ein Kind bei einer Tagesmutter kostet die Gemeinde – nichts!
Deshalb haben andere Gemeinden, z.B. Schwetzingen, ein Förderprogramm für Tageseltern aufgelegt. Ich denke, das wäre auch für Oftersheim bedenkenswert, um mit geringen Kosten der Nachfrage nach steigender flexibler Betreuung nachzukommen.
Eine qualitative gute und quantitative ausreichende Kinderbetreuung liegt der Gemeinde am Herzen, ebenso wie die Möglichkeit für Eltern, ihre Kinder wunschgemäß unterzubringen. Daran arbeitet die Gemeinde. Deshalb stimmen wir Grünen der Bedarfsplanung zu.“

Rolf Siegel

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