Winterexkursion in die Oftersheimer Dünen – die Oftersheimer Waldweide

Dr. Andre Baumann im Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern

Zumindest war es trocken, als sich am letzten Samstag bei klirrender Kälte eine erstaunlich große Gruppe von interessierten Mitbürgerinnen und Mitbürgern zu einer Winterexkursion in die Oftersheimer Dünen zusammenfand.

Eingeladen zu dieser besonderen Exkursion hatten die Oftersheimer Grünen zusammen mit dem Landtagsabgeordneten und Kandidaten für die kommende Landtagswahl Dr. Andre Baumann. Ebenfalls anwesend war Viviane Reize, die zusammen mit Baumann als Ersatzkandidatin für den Wahlkreis Schwetzingen antritt.

Andre Baumann ist ausgewiesener Kenner der Oftersheimer Dünen und konnte auch dieses Mal die Mitwanderenden schnell für die besondere Schönheit dieses Landschaftsschutzgebiets begeistern.

„Die Oftersheimer Dünenzüge mit der Friedenshöhe, dem Dreieichenbuckel und dem Feldherrenhügel gehören zu den landschaftlich schönsten Dünenzügen in Süddeutschland. Ich bin froh, dass die Landstraße L 722 diese wunderbare Heimat nicht zerschneidet und verschandelt. Dass auf den Bau dieser Straße verzichtet wird, ist Ergebnis grüner Politik“, sagte Baumann, der damals NABU-Landesvorsitzender war. Erst unter Verkehrsminister Winne Hermann sei diese nicht notwendige Straßenplanung gestoppt worden.

Beim Zwischenstopp an der Friedenshöhe ging er auch auf die Entstehung der Dünen am Ende der letzten Eiszeit ein. Diese wurden durch westliche Sandstürme aus Sandablagerungen des Rheins vor rund 10.000 Jahren aufgetürmt. Noch heute sieht man das am flachen Anstieg auf der westlichen dem Wind zugewandten Seite und dem steilen Abhang gegen Osten. Baumann berichtete, dass er genau auf einem solchen steilen Hang Schlittenfahren gelernt hat: hinter der Oftersheimer Grillhütte auf der Windschattenseite des Feldherrenhügels, der höchsten Düne Süddeutschlands.

Am Beispiel des Kali-Salzkrauts, das im Herbst an einer Sollbruchstelle bricht und sich als „Steppenroller“, wie wir sie aus Western kennen, selbst aussät, zeigte Baumann, welche besonderen Pflanzen und Tiere hier gedeihen. „Auch wenn man es heute nicht sieht, sind die Dünen im Sommer sehr heiß und trocken und Tiere und Pflanzen sind an diese besonderen Bedingungen angepasst“ so Baumann.

Besonderer Schwerpunkt dieser Exkursion war die Waldweide, wie sie historisch auch in Oftersheim und in den Oftersheimer Dünen über Jahrhunderte praktiziert wurde. Durch die Beweidung wurde der ursprüngliche Wald ausgedünnt und es entstanden typische offene Sandflächen und sehr lichte Baumbestände. Baumann zeigte diese anhand einer Karte aus der Zeit Carl Theodors, der seinerzeit eine Kartierung veranlasst hatte. 

Staunend nahmen die Anwesenden zur Kenntnis, dass das Gebiet des heutigen Baden-Württemberg einst das Schäferland Europas war und hier mehr Schafe weideten als in Spanien und Frankreich zusammen.

In Oftersheim wurden Schweine, Ziegen und Rinder in den Wald getrieben, der als landwirtschaftlich weniger wertvolle Fläche galt. Die Waldweide war eine Allmende, die von jedermann genutzt werden konnte. Beaufsichtigt wurden die Tiere von den Dorfhirten. 

Diese Beweidung war auch für die Planzen wichtig, da die Tiere die Oberfläche aufbrechen und so erst die nötigen Voraussetzungen für die Planzen schaffen. Auch tragen besonders Schafe die Samen der Planzen in Ihrem Fell von mit sich und helfen so der Pflanze bei der Ausbreitung.

„Unsere heutige Natur ist ohne die frühere Weidehaltung nicht verstehbar“, fasste Baumann seine Erklärungen zusammen. „Die Wiederaufnahme der Beweidung durch Ziegen und Esel ist deshalb kein nostalgischer Versuch, alte Traditionen zu beleben, sondern hochmoderner Naturschutz“.

Neben der Waldweide wurde von den Teilnehmern auch die Situation des Hardtwalds angesprochen, der sehr stark unter den klimatischen Veränderungen leidet.

Eindrucksvoll war dies am Beispiel einer umgestürzten Kiefer am Waldrand zu sehen, die dem starken Wind der vergangenen Tage nicht mehr standhalten konnte.

Um den Wald auch für zukünftige Generationen zu erhalten, braucht es umfangreiche Hilfen und die heutige Beweidung ist nur eine der nötigen Maßnahmen. Die grün-geführte Landesregierung hat in den letzten fünfzehn Jahren die Mittel für den Naturschutz mehr als verdreifacht. „Ohne diese Mittelerhöhungen wären die Naturschutzprojekte in den Oftersheimer Dünen nicht möglich gewesen“, sagte Baumann, der auch Staatssekretär im Umweltministerium ist. Baumann warb zum Abschluss der Exkursion dafür, dass der Naturschutz auch in Zukunft in der Landesregierung eine hohe Priorität haben muss und dass dies nur bei einem sehr guten Wahlergebnis der Grünen gewährleistet ist.