Kleine Ameise, große Herausforderung

Die Teilnehmer schauen zu, wie die Pflasterfläche über einem Nest mit dem Heißwassergerät behandelt wird
Das Heißwassergerät in Aktion

Eine Exkursion der Grünen informierte über die invasive Ameisenart Tapinoma magnum

Auch wenn es der Name ‚Tapinoma magnum‘ oder ‚große Drüsenameise‘ anders vermuten lässt, sind die Ameisen dieser speziellen Art eher klein. Trotzdem sind sie lästig, weil sie meistens in großen Kolonien auftreten und Schäden an Bauwerken anrichten können. Knapp 40 Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung der Grünen auf den Bauhof der Gemeinde, um sich über Ausbreitung, Erkennung und Bekämpfung der Art zu informieren. Als Experten hatte der Grüne Ortsverband den Landtagsabgeordneten Dr. Andre Baumann und Dr. Amelie Höcherl vom Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart eingeladen. Höcherl arbeitet in einem Forschungsprojekt zu Tapinoma magnum, das neben der wissenschaftlichen Untersuchung auch die Information der Öffentlichkeit und die Vernetzung betroffener Kommunen umfasst.

„Tapinoma magnum befindet sich auf dem Vormarsch“, so der Landtagsabgeordnete der Grünen, der auch Staatssekretär des Umweltministeriums ist. Darum habe sein Ministerium dieses Forschungsprojekt zur Verbreitung, genetischen Herkunft und zu möglichen Bekämpfungsstrategien eingerichtet. „Wir wollen genau hinschauen, informieren und gemeinsam mit Fachleuten diskutieren, was wir über die Art wissen und wie wir ihre weitere Ausbreitung begrenzen können.“ Wichtig sei auch die Ausarbeitung von alltagstauglichen Bekämpfungsmethoden.

Frau Dr. Höcherl erläutert Teilnehmern, wie man Tapinoma Magnum erkennt

„Man sollte nicht bei jeder schwarzen Ameise sofort an Tapinoma magnum denken“, erklärte Höcherl. Für eine erste Einschätzung seien mehrere Merkmale wichtig. Auffällig seien insbesondere breite, mehrspurige Ameisenstraßen, die sehr schnelle Bewegung der Tiere, große Nestbereiche sowie deutliche Größenunterschiede zwischen den Arbeiterinnen. Die Tiere seien vollständig schwarz und etwa zwei bis fünf Millimeter groß. Auch der typische Geruch zwischen Nagellackentferner und ranziger Butter sei ein deutlicher Hinweis.

Erfahrungsberichte machten die Auswirkungen der Ameisen deutlich. So berichteten Teilnehmende von Ameisenstraßen auf ihren Grundstücken sowie von Problemen mit Pflasterflächen. „Für mich ist das nicht nur lästig, sondern ärgerlich, weil bei mir der Hof absinkt“, berichtete ein Teilnehmer.

Tapinoma magnum bildet Superkolonien mit zahlreichen Nestern und Königinnen. Die Kolonien können sich über mehrere Grundstücke erstrecken. Darum sei eine gute Zusammenarbeit der Grundstückseigentümer besonders wichtig, betonte Höcherl. Bei der Bekämpfung gebe es unterschiedliche Ansätze, aber kein Patentrezept. Maßnahmen müssten an die jeweilige Situation angepasst und regelmäßig überprüft werden.

Bauhofleiter Jochen Barisch und sein Stellvertreter Dennis Dilger erläuterten die Erfahrungen des Bauhofs mit den Ameisen, insbesondere führten sie das Heißwassergerät vor, das die Gemeinde speziell für die Bekämpfung von Tapinoma Magnum angeschafft hat. Die Behandlung mit dem kochenden Wasser muss mehrfach durchgeführt werden und erfordert eine laufende Beobachtung der betroffenen Flächen. Aber auch das Verhindern neuer Kolonien sei wichtig. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Einschleppung von Ameisen etwa über Pflanzen und Erde. Hier sollte man genau hinschauen, bevor man diese im Garten verwende. Falls man Tapinoma auf dem eigenen Grundstück entdecke, sei schnelles Handeln angesagt: Bei noch kleinen, neu entstandenen Kolonien, können frühzeitige Maßnahmen erfolgversprechender sein als bei bereits großflächig etablierten Beständen.

Bei Fragen oder zum Melden von Verdachtsfällen in Oftersheim können sie sich an das Umweltamt wenden: umweltamt@oftersheim.de gemeldet werden. Hilfreich sind Angaben zum Fundort, Kontaktdaten, Fotos und Informationen zu bereits ergriffenen Maßnahmen.