Wie verändern Klimawandel und Trockenheit den Hardtwald? Wie lassen sich die besonderen Dünenlebensräume erhalten? Und wo müssen Naturschutz und Forstwirtschaft neue Wege gehen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Oftersheimer Grünen bei einer Exkursion durch die Oftersheimer Dünen und den Hardtwald am Freitagabend.
Gemeinsam mit Dr. Andre Baumann, Landtagsabgeordneter und Staatssekretär im Umweltministerium, sowie Dr. Jost Armbruster vom Referat Naturschutz und Landschaftspflege des Regierungspräsidiums Karlsruhe erkundeten die Teilnehmenden den besonderen Naturraum rund um den Feldherrnhügel.
Baumann machte deutlich, dass der Hardtwald zunehmend unter Klimastress leidet. Der Standort sei ohnehin außergewöhnlich trocken und heiß. Zwischen den Zeiträumen 1961–1990 und 1991–2020 sei die Jahresmitteltemperatur im hiesigen Wuchsbezirk um rund ein Grad Celsius, die mittlere Sommertemperatur sogar um rund 1,3 Grad Celsius gestiegen. Gleichzeitig sei der Jahresniederschlag von rund 729 auf 688 Millimeter zurückgegangen.
„Es war ohnehin heiß, ohnehin trocken – und es ist noch trockener und heißer geworden“, fasste Baumann die Entwicklung zusammen.
Kiefern und Buchen geraten unter Druck
Die Folgen sind im Wald inzwischen unübersehbar. Kiefern sterben auf schwierigen Standorten teilweise großflächig ab. Auch Buchen, die in der Vergangenheit gezielt unter Kiefernbestände gepflanzt wurden, leiden unter Hitze und Trockenheit.
Damit stellt sich die Frage, wie ein klimastabiler Wald der Zukunft aussehen kann. ForstBW testet dazu unterschiedliche Baumarten und Verfahren. Unter anderem werden verschiedene Eichenarten als mögliche Zukunftsbaumarten erprobt. Auf besonders trockenen Standorten werden junge Eichen in Hitzeperioden zeitweise bewässert. Auch natürlicher Schatten durch Ginster wird inzwischen genutzt.
„Wir müssen genau hinschauen, welcher Baum an welchem Standort eine Zukunft hat. Es gibt nicht den einen Wunderbaum gegen den Klimawandel“, so Baumann.
Naturschutz braucht aktives Handeln
Die Oftersheimer Dünen beherbergen auf ihren trockenen und nährstoffarmen Sandstandorten seltene und hoch spezialisierte Tier- und Pflanzenarten. Dr. Jost Armbruster erläuterte als Gebietsbetreuer die Besonderheiten des kombinierten Natur- und Landschaftsschutzgebiets und die Arbeit der Naturschutzverwaltung.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die Beweidung. Ziegen, Schafe und andere Weidetiere sollen auf ausgewählten Flächen eine halboffene Landschaft erhalten. Damit wird an eine historische Nutzung angeknüpft, durch die über Jahrhunderte lichte Waldstrukturen und Sandmagerrasen entstanden.
Gleichzeitig stellen gebietsfremde Arten wie die Spätblühende Traubenkirsche und die Kermesbeere eine Herausforderung dar. Eine vollständige Bekämpfung sei kaum möglich. Deshalb müsse gezielt dort eingegriffen werden, wo konkrete Naturschutz- und Waldentwicklungsziele verfolgt werden.
Auch Bodenbewegungen können helfen: Durch das teilweise Abtragen humoser Bodenschichten wird nährstoffarmer Sand freigelegt – eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung wertvoller Sandmagerrasen.
Feldherrnhügel zeigt besondere Bedeutung
Höhepunkt der Exkursion war der Feldherrnhügel, die höchste Binnendüne Baden-Württembergs. Die vor rund 10.000 Jahren entstandenen Dünen machen deutlich, wie außergewöhnlich der Naturraum ist. Gleichzeitig sind die trockenen Sandstandorte besonders empfindlich gegenüber den Folgen des Klimawandels.

Zum Abschluss waren sich die Beteiligten einig: Klimaschutz allein reicht nicht mehr – auch Klimaanpassung ist notwendig.
„Wir brauchen dort klimastabile Wälder, wo Waldwirtschaft auch unter den veränderten Bedingungen möglich ist. Und wir müssen dort neue Wege gehen, wo sich klassische Waldstrukturen nicht mehr halten lassen“, betonte Baumann.
Die Oftersheimer Grünen wollen den Austausch zu den Entwicklungen im Hardtwald und den Oftersheimer Dünen fortsetzen. Ein besonderer Dank gilt Dr. Jost Armbruster und Andre Baumann für die fachliche Begleitung sowie allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für den engagierten Austausch.
